Ein Automatisierungsvorhaben wird meist im Ganzen beauftragt: die Rechnungsprüfung, die Auftragsanlage, die Bearbeitung eingehender Anfragen. Die Frage lautet dann, ob KI diesen Vorgang übernehmen kann. Das ist der falsche Zuschnitt, denn ein Prozess ist kein einzelner Handgriff, sondern eine Folge von Arbeitsschritten, die sehr Unterschiedliches verlangen.
Ein Zuschnitt nach einzelnen Schritten setzt allerdings voraus, dass sich der Vorgang überhaupt in benennbare Schritte zerlegen lässt. Kann bei Ihnen niemand beschreiben, was in welcher Reihenfolge geschieht, ist diese Beschreibung die eigentliche Vorarbeit und nicht die Wahl des Werkzeugs.
Zerlegt man den Prozess in diese Schritte, verlangt kaum einer davon eine Abwägung. In den meisten geht es darum, einen Wert zu holen, ihn mit einem anderen zu vergleichen, eine Summe nachzurechnen oder das Ergebnis weiterzuleiten. Das sind feste Regeln und Rechenwege, und ein gewöhnliches Programm führt sie zuverlässiger und billiger aus als eine KI, weil es bei gleicher Eingabe immer dasselbe Ergebnis liefert.
Eine Abwägung steht nur dort an, wo die Antwort nicht eindeutig aus den vorliegenden Angaben folgt: Zwei Unterlagen widersprechen sich, und jemand muss entscheiden, welche gilt. Die Summe auf diesen Unterlagen nachzurechnen ist keine Abwägung, auch wenn beides im selben Arbeitsgang passiert.
Wer diesen Unterschied beim Zuschnitt nicht macht, vergibt den ganzen Vorgang als KI-Aufgabe und kauft damit die Fähigkeit zum Abwägen für Arbeit ein, die sie nicht braucht. Er lässt die KI raten, wo sie rechnen müsste. Deshalb wird ein solches System ausgerechnet an den harmlosesten Stellen unzuverlässig, und nach den ersten Fehlern gilt der Anwendungsfall als ungeeignet für KI, obwohl nur der Zuschnitt zu grob war.
Nehmen Sie sich deshalb einen Vorgang vor, der regelmäßig anfällt, schreiben Sie ihn Schritt für Schritt auf und markieren Sie jeden Schritt mit „Regel" oder „Abwägung". Die Zahl der Abwägungen sagt Ihnen, wie groß Ihr Vorhaben tatsächlich ist.