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Alex gehört nicht ins Organigramm

Fast ein Drittel der Firmen stellt KI-Agenten als Mitarbeiter vor, manche führen sie im Organigramm. Eine Studie der Boston University zeigt, warum genau das die Kontrolle schwächt.


Ein Manager erfährt, dass ihm ein neuer Mitarbeiter zugeteilt wurde. Er heißt Alex, hat einen Titel und feste Aufgaben — und er ist ein Programm. So führen viele Unternehmen ihre KI-Agenten inzwischen ein: Von 1.261 Managern, die die Wirtschaftsforscherin Emma Wiles von der Boston University befragt hat, berichtet fast ein Drittel, die eigene Firma stelle KI-Agenten als Mitarbeiter vor. 23 Prozent führen sie im Organigramm.

Die MIT Technology Review beschreibt, was diese Wortwahl anrichtet. In Wiles' Experiment prüften Manager Arbeitsergebnisse einer KI. Hieß es, die Arbeit stamme von einem „KI-Mitarbeiter", entdeckten sie 18 Prozent weniger Fehler, als wenn dieselbe Arbeit einem „Chatbot" zugeschrieben wurde. Fragwürdige Ergebnisse reichten sie zudem 44 Prozent häufiger an Vorgesetzte weiter, statt sie selbst zu korrigieren.

Die Erklärung liegt in der Rollenverteilung. Ein Werkzeug bedient man und steht für das Ergebnis gerade. Einem Kollegen traut man zu, dass er seine Arbeit selbst verantwortet. Sobald das Programm einen Namen und eine Planstelle hat, rückt es in die zweite Rolle — und die gefühlte Zuständigkeit wandert vom Nutzer weg. Damit verschwindet auch der Gewinn, für den der Agent angeschafft wurde: Wer jede Unsicherheit nach oben weiterreicht, spart keine Zeit, er verteilt nur Arbeit um.

Die Anbieter fördern diese Verwechslung. Nvidia-Chef Jensen Huang sprach von Belegschaften aus „digitalen Menschen"; Microsoft, OpenAI, Anthropic und Google verkaufen seit dem Frühjahr Werkzeuge, mit denen sich ganze Agenten-Teams führen lassen — beworben als digitale Kollegen. Der MIT-Ökonom und Nobelpreisträger Daron Acemoglu hält das Ersatz-Versprechen für ein Verlustgeschäft. Agenten sollten menschliche Fähigkeiten erweitern, sagt er, und daran gemessen seien sie bisher falsch gebaut.

Wie es besser geht, deutet eine Stanford-Untersuchung an. Forscher legten 1.500 Beschäftigten aus 104 Berufen vor, welche ihrer Aufgaben KI übernehmen könnte, und fragten, was tatsächlich helfen würde. Vieles, was Technikexperten für automatisierbar hielten, wollten die Betroffenen ausdrücklich behalten — und umgekehrt wünschten sie sich Unterstützung an Stellen, die auf keiner Automatisierungsliste standen.

Der Name macht das Werkzeug nicht fähiger. Er macht die Menschen nachlässiger, die damit arbeiten — und genau sie tragen am Ende die Verantwortung, die sich keinem Programm zurechnen lässt. Wer Agenten einführt, sollte ihnen deshalb vieles geben: klare Aufgaben, gute Daten, saubere Kontrolle. Nur keinen Vornamen.

Inspiriert von: MIT Technology Review — AI agents are not your “coworkers” — aufbereitet und verfasst mit KI-Unterstützung